Fachtag zum Thema Wissenschaft und Praxis anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des CJD Berufsbildungswerkes Frechen

07.07.2017 CJD BBW Frechen « zur Übersicht

2017 feiert das CJD Berufsbildungswerk Frechen zwei Jubiläen, sein Träger, das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. (CJD – Die Chancengeber) wird 70 - und das CJD Frechen 40 Jahre alt.

Anlässlich seines Jubiläums veranstaltete das CJD Frechen einen Fachtag zum Thema Wissenschaft und Praxis. „Wir wollen unseren Blick in die Zukunft richten, wie wir auch zukünftig unsere Arbeit in der sozialen und beruflichen Rehabilitation von jungen Menschen mit lern- und psychischen Beeinträchtigungen, die Förderbedarf haben, gut leisten können“, erklärte Markus Besserer, Gesamtleiter CJD NRW Süd/Rheinland. In angenehmer Atmosphäre konnten sich über 70 geladene Gäste aus Schule, Hochschule, Politik, Verwaltung, Ämtern, Bezirksregierung, Ministerien u. v. m. weiterbilden durch Impulsreferate und Workshops über psychische Erkrankungen/ Auffälligkeiten in der Beruflichen Rehabilitation.

Annette Scheidt, Leitende Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin Novarea RPK, Aachen und Düsseldorf und Dr. Stefan Zwernemann, Ärztlicher Leiter Novarea RPK Düsseldorf, Facharzt für Psychatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, Sozialmedizin und Suchtmedizin, referierten unter dem Titel „Leben in extremen Gefühlen“ über Borderliner und Sozialphobiker in der Ausbildung. Sie gaben wertvolle Tipps für den Umgang mit ihnen: Für die Borderliner, die sehr stimmungsschwankend von Angst, Wut Hass, Aggesivität, Verzweiflung bis Euphorie, sich selbst schädigend geprägt sein können und es dadurch in der Ausbildung zu Fehlzeiten, Unzuverlässigkeiten und Konflikten kommen könne gelte es „Fels in der Brandung“ zu sein, betonte Stefan Zwernemann. Sozialphobiker, die soziale Situationen meiden aus Angst vor Aufmerksamkeit, Beurteilung oder Blamage können unterstützt werden u.a. durch Aufzeigen von Entspannungswegen, durch Angebote zu Selbsthilfe oder Rollenspielen, riet Annette Scheidt.

Unter dem Titel von Verträumten und Wilden referierte Prof. Dr. Karl-Heinz Eser  zum Thema Berufliche Rehabilitation am Schnittpunkt von Lernbehinderung, AD(H)S und Autismus.

In den anschließenden workshops von Dr. Viktoria Arling: Beschreiben, verstehen – für die Praxis nutzen – Umgang mit dem ICD 10, von Annette Scheidt und Dr. Stefan Zwernemann: Leben in extremen Gefühlen, von Prof. Dr. Karl-Heinz Eser: Von Verträumten und Wilden und von Matin Stolz, internationale Arbeit im CJD Frechen, zum EU Projekt I-YES: Aus Theorie wird Praxis, bestand ausreichend Zeit zur Diskussion, zur Besprechung von aktuellen Fallbeispielen und zur vertiefenden Meinungsfindung.

Für das leibliche Wohl und zur Stärkung von Geist und Körper wurde auch mit Köstlichkeiten gesorgt. Zum Abschluss erhielten alle Teilnehmenden ein Zertifikat.

Am 17. September von 11:00 bis 17:00 Uhr feiert das CJD Frechen mit einem Tag der offenen Tür sein 40- jähriges Jubiläum, zu dem alle Interessierten eingeladen. Neben Vorführungen in den Werkstätten, Werkstattparcours, Tombola, Bühnenprogramm mit Tanz, Musik und Frisurenschau gibt es zahlreiche Aktionen zum Jubiläum wie Geburtstagstorte für alle, Talkrunden, Luftballonaktion und vieles mehr.

Das CJD Berufsbildungswerk Frechen wurde nach einer einjährigen Bauphase im Sommer 1977 eröffnet. Am 4. September konnten 126 Rehabilitanden beginnen in den Berufsfeldern: Metalltechnik, Bautechnik, Holztechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung, Körperpflege, Ernährung und Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft, Wirtschaft und Verwaltung, und Textiltechnik. Seither wurde das Ausbildungsangebot immer wieder den Erfordernissen des Arbeitsmarktes angepasst. Es wurden fortlaufend neue Technologien in den Ausbildungswerkstätten eingeführt. Im Zierpflanzenbau entstand ein neues Gewächshaus, neue Ausbildungsberufe im Garten- und Landschaftsbau, im Fachlager und als Beikoch/Beiköchin kamen hinzu, wohingegen der Textilbereich wegen zu geringer Nachfrage abgeschafft wurde. Seit 2009 besteht ein neues Dienstleistungszentrum direkt am Clarenbergweg mit den Ausbildungsbereichen Friseur und Verkauf. In den letzten Jahren wurde das Angebot um die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) und das Projekt Chance Zukunft ergänzt. Seit 1977 haben mehr als 3600 junge Leute ihre Prüfung vor den Kammern abgelegt. In den letzten Jahren wurde in leerstehenden Wohnhäusern auf dem CJD Gelände eine Tagespflege für pflegebedürftige Angehörige, eine Großtagespflege für Kleinkinder sowie Wohngruppen der Jugendhilfe wie für junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren, die aufgrund problematischer Situation nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können oder wollen, darunter minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, eingerichtet. 

Im CJD Berufsbildungswerk Frechen erhalten derzeit 250 junge Menschen mit Lernbehinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen einer beruflichen und sozialen Rehabilitation die Chance auf Ausbildung  mit Kammerabschluss in 30 anerkannten Berufen.

Die Ausbildungen und berufsvorbereitenden Maßnahmen im CJD Frechen werden im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt.

Während ihrer Rehabilitation besuchen die jungen Menschen das Berufskolleg im Berufsbildungswerk und werden sozial- und freizeitpädagogisch begleitet. 120 von ihnen wohnen in den Wohnhäusern im Berufsbildungswerk. Das Ziel lautet, mit der bestandenen Abschlussprüfung vor den zuständigen Industrie- und Handels- Landwirtschafts- und Handwerkskammern, den Sprung in ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben zu schaffen. Aufgrund der intensiven und individuellen Förderung der Auszubildenden in den Werkstätten, im Berufskolleg und im Wohn- und Freizeitbereich bestanden Ende des letzten Ausbildungsjahres 93% von ihnen die Abschlussprüfung vor den Industrie und Handels,- Handwerks, - und Landwirtschaftskammern. 70% fanden im letzten Jahr eine feste Arbeitsstelle. Seit 40  Jahren haben  über 3600 Auszubildende die Kammer Prüfung absolviert.

Integriert in das CJD Frechen sind außerdem Maßnahmen der Jugendhilfe, Jugendwohnen und eine Regelwohngruppe für junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren, die aufgrund problematischer Situation nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können oder wollen, darunter minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge sowie eine Tagespflege für pflegebedürftige Angehörige.

Das CJD bietet jährlich 155.000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von 9.500 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision "Keiner darf verloren gehen!"