Projektwoche Fußball gegen Rassismus und Homophobie im Berufskolleg im CJD Frechen

11.04.2017 CJD BBW Frechen « zur Übersicht

Seit ungefähr einem Jahr ist die Christophorus Schule, das Berufskolleg im CJD Berufsbildungswerk Frechen, Mitglied in dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Gut sichtbar hängen Plakette und Urkunde in den Fluren des Berufskollegs. Sie bilden tragende Werte der Schule ab. Darauf darf sich aber nicht ausgeruht werden. Eine einmalige Aktion, reicht nicht aus, es müssen jedes Jahr kontinuierlich weitere folgen. Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Homophobie stellt eine Daueraufgabe dar. Deshalb arbeitet das CJD Berufskolleg daran, negative Energien in positive umzuwandeln; in Form von Solidarität, gegenseitiger Unterstützung und Respekt vor Andersartigkeit. „Um dem Ziel näher zu kommen, soll die positive Kraft des Fußballs genutzt werden. Der Ball ist hier schon weiter als viele Menschen. Ihm ist es völlig egal, wer ihn tritt, Hautfarbe, Geschlecht, Hetero oder Homosexuell spielt überhaupt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass er gut und gekonnt gekickt wird“, erklärt Martin Kröber, Antirassismus Trainer und Lehrer am CJD Berufskolleg in Frechen. Gemeinsam mit acht seiner Kollegen aus dem Anti Rassismus Arbeitskreis hatte er dazu die diesjährige Projektwoche zum Thema „Fußball gegen Rassismus und Homophobie mit vielen Aktionen rund um den Fußball auch mit Unterstützung der Stadt Frechen und des DFB auf die Beine gestellt. Zum Auftakt der Projektwoche gab es ein Theaterstück, „Steh deinen Mann“, vom Boat people Projekt aus Göttingen, in dem Matthias, ein Fußballer aus einem Provinzverein, gespielt von Schauspieler Matthias Damberg, verunsichert ist, da er gehört hat, dass 10% aller Männer homosexuell sind. Auf der Suche nach dem homosexuellen Fußballer trifft er auch auf „König Fußball“, der seinen Sport vor Komplikationen schützen möchte. Das Theaterstück, das nicht nur in Schulen sondern auch in Umkleidekabinen von Fußballvereinen aufgeführt wird, spielt humorvoll mit homophoben Vorurteilen und thematisiert erhellend die Ausarbeitung eines Tabus erklärt Regisseur Reima de la Chevallerie.  Zielsetzung des Stücks sei es, erstmal Sensibilität zu erzeugen und es gehe einfach darum, sich mit dem Thema auseinander zu setzten.  

Neben weiteren Aktionen, wie der Ausstellung Kicker, Kämpfer und Legenden, die das Schicksal jüdischer Fußballer in der Zeit des Nationalsozialismus thematisiert und Fortsetzungen bis heute aufzeigt, die die Schüler die ganze Woche besuchen konnten und Teilnahme an den workshops des Kölner Fanprojektes, gab es als einen Höhepunkt eine Podiumsdiskussion mit Hendirk Jochheim vom Fanprojekt Schalke 04, Ulf Martin vom Fanprojekt 1. FC Köln und Gert Nettesheim, 1. Vorsitzender vom CfB Ford Köln. Sie gaben Einblick in ihre Arbeit als ständige Ansprechpartner und Begleiter für die Fans auch in schwierigen Situationen. „Es ist nicht immer Spaß sondern Arbeit mit den Fußballfans“, erklärt Jochheim. Es gehe auch darum über Fußball Vorurteile abzubauen. Dem stimmte sein Kölner Kollege Ulf Martin zu und betonte: „Egal, woher man herkommt, was für einen Beruf man ausübt, was für eine Nationalität derjenige hat, Fußball hat immer ein verbindendes Element hat.  Die unterschiedlichsten Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen, alle Altersgruppen, Nationalitäten haben ein gemeinsames Interesse, den richtigen Verein, den FC anzufeuern, aber ich glaube jeder hat den richtigen Verein, da gibt es auch keinen falschen“.

Highlight war das Fußballturnier mit 6 CJD Mannschaften und 2 Teams von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, bei dem die Auszubildenden selbst tätig werden mussten. Hierbei erhielten sie die Chance, ein ganz anderes Bild von den anderen zu bekommen. Sie erlebten, dass die anderen Jugendlichen auch das Interesse daran haben, den Ball so gut wie möglich zu kicken und dass sie etwas gemeinsam haben. 

Zu dem Turnier waren auch Andreas Stiene vom Come-together-Cup Köln und Ex- Nationalspieler und ehemaliger Mittelfeldspieler beim 1. FC Köln und gegenwärtig Integrationsbeauftragter für den Deutschen Fußballbund (DFB),  Jimmy Hartwig gekommen, der sehr beeindruckt von dem großen Engagement in Frechen war. „Fußball ist ja der größte Integrationsträger in der Welt, in der ganzen Welt wird Fußball gespielt. Du brauchst ja nicht viel. Du brauchst nur 2 Tore einen Ball und es ist egal welche Religion Du hast, ob Du Christ bist, Schiit oder Moslem, das spielt keine Rolle“, erklärt Hartwig. Er besuche Schulen und Sportvereine als Beauftragter für den DFB, um dort mit Vorträgen gegen Diskriminierung, Mobbing, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen, denn aufgrund seiner afroamerikanischen Abstammung habe er dieses selbst erfahren, auch noch als Spieler in der Bundesliga.

Fußball und Homosexualität ist immer noch ein Tabu Thema und viele meinen, Fußball und Homosexualität passt nicht zusammen, wodurch es oft auch bei den Schülern zu Abwertungen und Diskriminierungen kommen kann, wogegen Lehrer Martin Kröber auch mit der Projektwoche vorgehen will.  "Die Schule versucht intensiv eine  Respekt- und Anerkennungskultur nach vorne zu bringen und es ist auch der  Auftrag der Schule, junge Leute zu  Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und zu einem selbst bestimmten Leben zu befähigen", erklärt Martin Kröber. Die Projektwoche wird Rassismus und Homophobie nicht beseitigen können, aber es werden einige Schüler und Schülerinnen erreicht werden und die Projektwoche bietet die Chance, dass vorhandene rassistische Einstellungen revidiert werden. Die Auszubildenden bestätigten, dass die Projektwoche sie sehr beeindruckt hat und ihnen viel gebracht hat mit neuen Erkenntnissen, wie Milena, die eine Ausbildung im Bereich Verkauf im CJD Frechen macht, bestätigte: „Auf jeden Fall ist nicht nur mir sondern auch den anderen, klar geworden, dass jeder Mensch gleich ist und dass wir uns alle akzeptieren sollten, so wie wir sind“.

 

Die CJD Christophorus Schule in Frechen ist ein Berufskolleg für Jugendliche, die aufgrund von Lernbehinderungen und Entwicklungsstörungen besondere Hilfen benötigen, um eine Ausbildung absolvieren zu können. Sie  ist in das CJD Berufsbildungswerk Frechen integriert. Die Schule hat über 40 Lehrer und 700 Schüler, von denen 250 im Berufsbildungswerk eine Ausbildung oder Berufsvorbereitung machen. Die restlichen Schüler absolvieren ihre praktische Berufsausbildung in Firmen und anderen Einrichtungen der beruflichen Bildung oder nehmen an Berufs vorbereitenden Maßnahmen teil. Über 40 Schüler nehmen in der Christophorus Schule an einer einjährigen Ausbildungsvorbereitung teil.  

 

Im CJD Berufsbildungswerk Frechen erhalten derzeit rund 250 junge Menschen mit Lernbehinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen einer beruflichen und sozialen Rehabilitation die Chance auf Ausbildung  mit Kammerabschluss in 30 anerkannten Berufen. Die Ausbildungen und berufsvorbereitenden Maßnahmen im CJD Frechen werden im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt.  

Während ihrer Rehabilitation besuchen die jungen Menschen das Berufskolleg im Berufsbildungswerk und werden sozial- und freizeitpädagogisch begleitet. 120  von ihnen wohnen in den Wohnhäusern im Berufsbildungswerk. Das Ziel lautet, mit der bestandenen Abschlussprüfung vor den zuständigen Industrie- und Handels- Landwirtschafts- und Handwerkskammern, den Sprung in ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben zu schaffen. Aufgrund der intensiven und individuellen Förderung der Auszubildenden in den Werkstätten, im Berufskolleg und im Wohn- und Freizeitbereich bestanden Ende des letzten Ausbildungsjahres 93% von ihnen die Abschlussprüfung vor den Industrie und Handels,- Handwerks, - und Landwirtschaftskammern. 70% fanden im letzten Jahr eine feste Arbeitsstelle. Seit 40  Jahren hat das CJD Frechen über 3600 Auszubildende zur Prüfung geführt. Integriert in das CJD Frechen sind außerdem Maßnahmen der Jugendhilfe, Jugendwohnen und eine Regelwohngruppe für junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren, die aufgrund problematischer Situation nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können oder wollen, darunter auch minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, sowie eine Tagespflege für pflegebedürftige Angehörige und eine Großtagespflege für Kleinkinder.  

 

Das CJD bietet jährlich 155.000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von 9.500 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision "Keiner darf verloren gehen!".