Verabschiedung in den Ruhestand von Schulleiter Gerd Kossow am Berufskolleg im CJD Frechen

06.02.2017 CJD BBW Frechen « zur Übersicht

„ Er war der letzte Universalgelehrte des CJD“, begann Markus Besserer, CJD Gesamtleiter NRW Süd/Rheinland, seine Begrüßungsrede bei der Feierstunde zur Verabschiedung  in den wohlverdienten Ruhestand von Oberstudiendirektor im Ersatzschuldienst, Gerd Kossow, seit 2009 Schulleiter des Berufskollegs, der Christophorus Schule im CJD Frechen. Gekommen zur Verabschiedung waren viele Kollegen und auch ehemalige Kollegen sowie Vertreter aus Schule, berufliche Bildung, Kirche, Verwaltung und Politik.

Die Kollegen aus dem Schulleitungsteam führten durch die Veranstaltung und würdigten Kossow in Form eines amüsanten Gutachten über Gerd Kossow, mit dem Förderbedarf „ Entspannung und Genuss“. Zunächst wurde sein Bildungsweg aufgezeigt: Gerd Kossow, verheiratet, drei Kinder und vier Enkelkinder, studierte an den Universitäten Gießen, Bonn und Hagen und absolvierte das Referendariat für den Schuldienst an einem Gymnasium in Köln. Er erhielt die Lehrbefähigungen für die Sekundarstufen I und II in den Fächern „Deutsch“, „Sozialwissenschaften“ und „Ev. Religion“ sowie über das Lehramt für Sonderpädagogik (Förderschwerpunkte „Lernen“ und „Emotionale und soziale Entwicklung“). Seit September 1986  war er Lehrer an der CJD Christophorus Schule Frechen: bis Dezember 1990 angestellter Lehrer, ab Januar 1991 Studienrat z.A. im Ersatzschuldienst; von 1992 – 1994  Studienrat i. E.; von 1994 – 1998 Oberstudienrat i. E.; seit Mai 1998  Studiendirektor i. E., Mitarbeit in der erweiterten Schulleitung und seit 1.2.2009 Schulleiter, Oberstudiendirektor i. E. Vor seiner Tätigkeit in der CJD Christophorus Schule Frechen hatte er einen Lehrauftrag „Deutsch als Fremdsprache“ an Universität Köln, arbeitete als Lehrer und Dozent an verschiedenen Schulen und Weiterbildungseinrichtungen und als Jugendbildungsreferent.  

Über  seine Tätigkeit als Schulleitungsmitglied und Schulleiter hinaus war Gerd Kossow von 2002 bis 2015 Bundesreferent für berufliche Bildung im Verband Sonderpädagogik e.V. und von 2011 bis 2015 Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitungen von Schulen für die berufliche Bildung Behinderter. Ehrenamtlich ist Gerd Kossow darüber hinaus seit 2009 Mitglied im Fachausschuss Melanchthon-Akademie des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.

Im weiteren Gutachten des Lehrerkollegiums wurden ihm z.B. besondere Fähigkeiten im auditiven zugesprochen –„er kann um drei Ecken hören“-,  im Kognitiven wurde er für Merkfähigkeit, Durchblick, EDV und Statistik Kenntnisse und als  Netzwerker ausgezeichnet, im Arbeitsverhalten als zuverlässig und belastbar. In der Kommunikation wurde ihm attestiert, dass er Fremdwörter benutzt, die sonst keiner kenne und er die „Verordnungen in Amtsdeutsch besser verstehe, als das Ministerium sie geschrieben habe“.

Viel Lob erhielt er auch von Superintendent Dr. Bernhard Seiger, Evangelischer Kirchenkreis Köln-Süd, der Kossow, gemäß Martin Luther, würdigt als einen Christenmenschen, der frei ist und niemandem untertan, aber auch als dienstbaren Knecht, der allen untertan ist. Claus Weidinger, von der Bezirksregierung Köln, schenkte ihm symbolisch einen Wecker mit dem Rat: „Genießen Sie die freie Zeit ohne Pflichtprogramm und Wecker“. Auch Kirsten Vollmer, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn und Samuel Breisacher, vom CJD Direktorium, lobten seinen stetigen Einsatz für die jungen Menschen mit Förderbedarf, denen er als Herzblut Pädagoge und Chancengeber, ins Leben verholfen habe, damit keiner verloren gehe.

Gerd Kossow zeigte sich sehr gerührt bei all den guten Worten und bedankte sich herzlich bei allen, denn Dankbarkeit sei der Königsweg zum Glück. Er verabschiedete sich mit einem Gedicht von Hanns Dieter Hüsch „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ und ermutigte das Lehrerkollegium sich weiterhin für die Schule auf dem Weg in die Zukunft einzusetzen und immer den Menschen im Blick zu haben. Musikalisch untermalt wurde die Abschiedsfeier vom Chor des Lehrerkollegiums mit einem Lied über Gerd Kossow und einem schwedischen Lied „Sommarvisa“. Gerd Kossow´s Nachfolge in der Leitung des Berufskollegs, der Christophorus Schule im CJD Frechen, tritt kommissarisch seine Stellvertreterin Dr. Jutta Fleckenstein an.            

Die CJD Christophorus Schule in Frechen ist ein Berufskolleg für Jugendliche, die aufgrund von Lernbehinderungen und Entwicklungsstörungen besondere Hilfen benötigen, um eine Ausbildung absolvieren zu können. Sie  ist in das CJD Berufsbildungswerk Frechen integriert. Die Schule hat über 40 Lehrer und 700 Schüler, von denen 250 im Berufsbildungswerk eine Ausbildung oder Berufsvorbereitung machen. Die restlichen Schüler absolvieren ihre praktische Berufsausbildung in Firmen und anderen Einrichtungen der beruflichen Bildung oder nehmen an Berufs vorbereitenden Maßnahmen teil. Über 40 Schüler nehmen in der Christophorus Schule an einer einjährigen Ausbildungsvorbereitung teil.  

Im CJD Berufsbildungswerk Frechen erhalten derzeit rund 250 junge Menschen mit Lernbehinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen einer beruflichen und sozialen Rehabilitation die Chance auf Ausbildung  mit Kammerabschluss in 30 anerkannten Berufen. Die Ausbildungen und berufsvorbereitenden Maßnahmen im CJD Frechen werden im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt.  

Während ihrer Rehabilitation besuchen die jungen Menschen das Berufskolleg im Berufsbildungswerk und werden sozial- und freizeitpädagogisch begleitet. 140  von ihnen wohnen in den Wohnhäusern im Berufsbildungswerk. Das Ziel lautet, mit der bestandenen Abschlussprüfung vor den zuständigen Industrie- und Handels- Landwirtschafts- und Handwerkskammern, den Sprung in ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben zu schaffen. Aufgrund der intensiven und individuellen Förderung der Auszubildenden in den Werkstätten, im Berufskolleg und im Wohn- und Freizeitbereich bestanden Ende des letzten Ausbildungsjahres 93% von ihnen die Abschlussprüfung vor den Industrie und Handels,- Handwerks, - und Landwirtschaftskammern. 70% fanden im letzten Jahr eine feste Arbeitsstelle. Seit 39  Jahren hat das CJD Frechen rund 3600 Auszubildende zur Prüfung geführt. Integriert in das CJD Frechen sind außerdem Maßnahmen der Jugendhilfe, Jugendwohnen und eine Regelwohngruppe für junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren, die aufgrund problematischer Situation nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können oder wollen, darunter auch minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, sowie eine Tagespflege für pflegebedürftige Angehörige und eine Großtagespflege für Kleinkinder.  

Das CJD bietet jährlich 155.000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von 9.500 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision "Keiner darf verloren gehen!"