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Modellprojekt „Chance Zukunft“ im CJD Berufsbildungswerk Frechen

01.06.2016 CJD BBW Frechen « zur Übersicht

Im CJD Berufsbildungswerk Frechen startete im Oktober letzten Jahres das Modellprojekt „Chance Zukunft“, das von der Regionaldirektion Nordrhein Westfalen, der Bundesagentur für Arbeit zusammen mit dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in NRW entwickelt wurde. Die Umsetzung erfolgt mit zehn Berufsbildungswerken, darunter das CJD Frechen. Das Modellprojekt wird mit rund fünf Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds des Landes finanziert.

„Ziel des Modelprojektes ist es, durch niederschwellige Arbeit, begleitende Hilfen, die Kunden des Jobcenters wieder ins Regelsystem zurück zu führen. Regelsysteme können sein, der Arbeitsmarkt oder die Schule“, erklärt

Viola Liebetrau Leiterin des Modellprojektes Chance Zukunft. Sie ist  eine von fünf Mitarbeitenden, die im CJD Berufsbildungswerk Frechen die Kunden des Jobcenters im Alter von 18 bis max. 35 Jahren an den Standorten Leverkusen, Rhein Kreis Neuss und im Rhein – Erft – Kreis betreut. Die Teilnehmer sind nicht nur aufgrund mangelnder Schulbildung und fehlender Qualifikation sondern auch aufgrund verschiedenster Problemlagen nicht mehr so einfach vom Jobcenter vermittelbar und finden überhaupt nicht den Einstieg in den Arbeitsmarkt, erklärt Diplompädagogin Dr. Corinna Kuhnen.

„Das sind ganz unterschiedliche Problemlagen, bei manchen ist es eine Suchtproblematik, die dahinter steht, dass bisher kein regelmäßiges Leben aufgenommen wurde, bei anderen sind es psychische Erkrankungen, was bei Jugendlichen immer häufiger wird, bei anderen geht es einfach darum mal zu gucken, wie sieht es gesundheitlich aus, es haben z. Teil jahrelang keine Arztbesuche stattgefunden und bei anderen geht es darum. sie einfach mal zu motivieren, aus dem Haus zugehen und sich beruflich zu orientieren“, weiß Corinna Kuhnen.

Viola Liebetrau und Corinna Kuhnen besuchen die Teilnehmer am Modellprojekt auch in deren Sozialräumen, wie deren Wohnungen. Dabei geht es häufig um vermeintlich ganz einfache Dinge, bei denen sie unterstützt und begleitet werden, ob zum Arzt, zum Psychologen, zu Beratungsstellen oder bei der Wohnungssuche. Sie sind positiv überrascht, wie dankbar die Teilnehmer sind und wie gern das Betreuungsangebot angenommen wird.

„Wir sind alle überrascht darüber, wie gern das Angebot aufgenommen wird, wie offen sie sind und ich glaube, es kommt ihnen auch sehr entgegen, dass es eine Maßnahme ist, die sehr individuell zu geschnitten ist, also wo man mal nicht jeden Tag acht Stunden in irgendeiner Maßnahme sitzen muss, was viele nicht schaffen, sondern dass man sie aufsucht, da, wo sie wohnen, wo sie zu Hause sind und wirklich mit denen direkt guckt, was braucht der einzelne, um wieder fit zu werden“, ist sich Corinna Kuhnen sicher.

Corinna Kuhnen sieht ein großes Problem darin, dass viele Teilnehmer gar nicht wissen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, dass sie z.B. eine Freistellung von Medikamenten haben können, dass es Schuldnerberatungen gibt, dass es soziale Angebote gibt, dass es Drogenberatungsstellen gibt, dass ein gutes Netz an Unterstützungsangeboten existiert. Daher sollen die Teilnehmer dafür sensibilisiert werden, wo sie sich Hilfe holen können.

Die Teilnehmenden am Modellprojekt werden im Vorfeld von den Jobcentern ausgesucht. Es sind diejenigen, die Termine im Jobcenter nicht mehr wahrnehmen, an die das Jobcenter nicht mehr rankommt und die schlecht zu motivieren sind.  In enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Jobcenters können die Teilnehmer dann max. zwei Jahre von den Mitarbeitenden im Modellprojekt Chance Zukunft des CJD Berufsbildungswerkes Frechen regelmäßig betreut werden. Dabei sind mehrere Phasen geplant.

In der ersten Phase finden die Kontaktaufnahme und der Beziehungsaufbau mit den Kunden des Jobcenters statt, es gibt dann regelmäßige Treffen, nach Möglichkeit mind. einmal in der Woche. In einer zweiten Phase sollen dann in den Räumen des CJD Berufsbildungswerkes Frechen Projektarbeiten, wie Konzentrationstraining, Sozialtraining, Allgemeinbildung, Ernährungsberatung durchgeführt werden. Danach soll nach einer Kompetenzanalyse in den Werkstätten des CJD Frechen verschiedene Berufe kennen gelernt werden.

Das langfristige Ziel ist natürlich, die Teilnehmer in den Arbeits- oder Ausbildungsmarkt zu integrieren, sei es direkt auf den ersten Arbeitsmarkt oder sei es zur Ausbildung ins Berufsbildungswerk. Die Berufsbildungswerke, wie das CJD Frechen, sind im Modellprojekt Chance Zukunft gute Kooperationspartner, da sie über eine gute Ausstattung und erfahrene Mitarbeitende verfügen, die lang jährige Erfahrungen mit Ausbildungen im Rahmen einer beruflichen und sozialen Rehabilitation haben. Das CJD Berufsbildungswerk Frechen hat 170 Mitarbeitende, neun große Werkstätten in den Bereichen Metall- Holz,- Farbtechnik, Agrarwirtschaft, Lager, Verkauf, Friseur, Hauswirtschaft und Küche, Hochbau, ein eigenes Förderberufskolleg und ein großes Freizeitzentrum mit Sporthalle, Fitnesscenter, Cafeteria, Kunst- und Musikräume sowie verschiedene Wohnhäuser. Das  Modellprojekt „Chance Zukunft“ steckt im Moment noch in der Anfangsphase, in der es erstmal um Beziehungsaufbau mit den Teilnehmenden und eine Bedarfsanalyse geht.

Im CJD Berufsbildungswerk Frechen erhalten derzeit 250 junge Menschen mit Lernbehinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen einer beruflichen und sozialen Rehabilitation die Chance auf Ausbildung  mit Kammerabschluss in 30 anerkannten Berufen. Die Ausbildungen und berufsvorbereitenden Maßnahmen im CJD Frechen werden im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt.

Während ihrer Rehabilitation besuchen die jungen Menschen das Berufskolleg im Berufsbildungswerk und werden sozial- und freizeitpädagogisch begleitet. 120  von ihnen wohnen in den Wohnhäusern im Berufsbildungswerk. Das Ziel lautet, mit der bestandenen Abschlussprüfung vor den zuständigen Industrie- und Handels- Landwirtschafts- und <st1:personname w:st="on">Handwerk</st1:personname>skammern, den Sprung in ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben zu schaffen. Aufgrund der intensiven und individuellen Förderung der Auszubildenden in den Werkstätten, im Berufskolleg und im Wohn- und Freizeitbereich bestanden Ende des letzten Ausbildungsjahres 93% von ihnen die Abschlussprüfung vor den Industrie und Handels,- Handwerks, - und Landwirtschaftskammern. 70% fanden im letzten Jahr eine feste Arbeitsstelle. Seit 39  Jahren haben  rund 3600 Auszubildende die Kammer Prüfung absolviert.

Integriert in das CJD Frechen sind außerdem Maßnahmen der Jugendhilfe, Jugendwohnen und eine Regelwohngruppe für junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren, die aufgrund problematischer Situation nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können oder wollen, darunter minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge sowie eine Tagespflege für pflegebedürftige Angehörige.

Das CJD bietet jährlich 155.000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von 9.500 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision "Keiner darf verloren gehen!"