Das CJD - Die Chancengeber CJD BBW Frechen

Ressourcen der Berufsbildungswerke für Fachkräftesicherung nutzen

16.11.2018 CJD BBW Frechen « zur Übersicht

Am gestrigen Donnerstag besuchte der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Wilfried Oellers MdB, das Berufsbildungswerk in Frechen. Im Gespräch mit CJD Gesamtleiter NRW Süd/Rheinland Markus Besserer und dem stellvertretenden Vorsitzenden der BAG Berufsbildungswerke (BAG BBW), Samuel Breisacher, betonte Oellers, dass die Ressourcen und Kompetenzen der Berufsbildungswerke zur Qualifizierung von Fachkräften noch stärker für weitere Zielgruppen genutzt werden müssen.

Der Heinsberger Abgeordnete ist seit Mai Beauftragter für Menschen mit Behinderungen in der Unionsfraktion. Es war sein erster Besuch in einem Berufsbildungswerk (BBW). Das BBW Frechen bildet seit über 40 Jahren Jugendliche mit Behinderungen in 30 anerkannten Berufen aus. Mittlerweile sind auch Angebote der Jugendhilfe für geflüchtete Jugendliche auf dem Campus geschaffen worden.

"Berufsbildungswerke haben sich über die Jahre gewandelt, das ist politisch so gewollt, aber auch gesellschaftlich notwendig", betonte Gesamtleiter Markus Besserer.

Über das NRW-Modellprojekt "Chance Zukunft" hat das BBW gemeinsam mit allen BBW in NRW in den vergangenen drei Jahren junge Erwachsene begleitet, die seit Jahren die Regelsysteme verlassen haben - ohne Schulabschluss, häufig mit massiven psychischen Problemen, obdachlos und ohne Zukunftsperspektive.

"Wir haben es geschafft, mit einer engmaschigen Begleitung 53 Prozent dieser Jugendlichen aus dem SGB II herauszuführen. Das ist ein echter Erfolg", ist Besserer stolz. Auf das Modell folgt jetzt eine Maßnahme nach 16h

SGB II, die zum 1.1.2019 startet. Was bisher fehle, sei eine nachhaltige, berufliche Anschluss- Qualifizierung für diese jungen Menschen, die zwar meist keinen Reha- Status hätten, jedoch ohne enge Begleitung und Förderung keinen Berufsabschluss auf dem regulären Arbeitsmarkt schaffen könnten, berichtet Samuel Breisacher, stellvertretender Vorsitzender der BAG BBW.

"Der 16 h läuft ins Leere, wenn die Jugendlichen zum Übergang auf den Arbeitsmarkt erneut in Regel-Maßnahmen gesteckt werden, die vorher auch schon erfolglos blieben. Es darf nicht sein, dass diese jungen Menschen sich selbst überlassen bleiben, bis sie irgendwann vielleicht in den 16 i, das neue Teilhabechancengesetz, rutschen", so Breisacher.

Willfried Oellers betonte, dass die Systeme durchlässiger werden müssten, in mehrere Richtungen. Wenn Jugendliche mit erheblichem Förderbedarf frühzeitig eine passgenaue Unterstützung brauchten, dann müssten sie diese auch bekommen. Die Ursache des Förderbedarfs dürfe kein Hinderungsgrund sein. Gemeinsam wollen Oellers und die BAG BBW an dem Thema weiterarbeiten.

Hintergrund

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V. (BAG BBW) ist ein bundesweites Netzwerk von über 50 Berufsbildungs- werken (BBW). Die BAG BBW vertritt die Interessen ihrer Mitglieder, fördert deren Austausch und verfolgt die kontinuierliche Leistungsverbesserung für junge Menschen mit Behinderung. www.bagbbw.de

Im CJD Berufsbildungswerk Frechen erhalten derzeit 250 junge Menschen mit Lernbehinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen einer beruflichen und sozialen Rehabilitation die Chance auf Ausbildung  mit Kammerabschluss in 30 anerkannten Berufen. Die Ausbildungen und berufsvorbereitenden Maßnahmen im CJD Frechen werden im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt.

Während ihrer Rehabilitation besuchen die jungen Menschen das Berufskolleg im Berufsbildungswerk und werden sozial- und freizeitpädagogisch begleitet. 140  von ihnen wohnen in den Wohnhäusern im Berufsbildungswerk. Das Ziel lautet, mit der bestandenen Abschlussprüfung vor den zuständigen Industrie- und Handels- Landwirtschafts- und Handwerkskammern, den Sprung in ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben zu schaffen. Aufgrund der intensiven und individuellen Förderung der Auszubildenden in den Werkstätten, im Berufskolleg und im Wohn- und Freizeitbereich bestanden Ende des letzten Ausbildungsjahres 89,3 % von ihnen die Abschlussprüfung vor den Industrie und Handels,- Handwerks, - und Landwirtschaftskammern. Über 60% fanden direkt nach dem Ausbildungsabschluss eine feste Arbeitsstelle. Seit 41 Jahren haben  über 3600 Auszubildende die Kammer Prüfung erfolgreich abgelegt.

Integriert in das CJD Frechen sind außerdem Maßnahmen der Jugendhilfe, Jugendwohnen und eine Regelwohngruppe für junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren, die aufgrund problematischer Situation nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können oder wollen, darunter minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge sowie eine Tagespflege für pflegebedürftige Angehörige.

Das CJD bietet jährlich 155.000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von 9.500 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision "Keiner darf verloren gehen!"